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Alexandra Wechtl

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31/05/2022

Harmonie und schräge Töne

Dirigieren statt ignorieren

Teamentwicklung und Fuehrungsverantwortung

Wenn sich bei dieser Überschrift Ihr Gesicht verzieht, weil Sie regelrecht spüren, wie schrecklich sich ein einzig falscher Ton in einem wohlklingenden Gesamtwerk anfühlt, dann sollten Sie weiterlesen. Hier geht es um Teamentwicklung und Führungsverantwortung und warum die Harmonie der natürliche Feind der Veränderung ist, aber dennoch so unverzichtbar wichtig ist.

Harmonie klingt schöner als sie ist

Verwendet man den Begriff Harmonie in einem Seminar, so werden viele negative Assoziationen zurückgeworfen. Die Harmlosesten sind beispielsweise „langweilig“, „konfliktscheu“, „Stillstand“, „schwach“, „ohne Dynamik“. Heftigere Formulierungen wie der „Tod des Fortschritts“, „Heuchelei“ oder „verlogene Fassade“ sind dann meist schon Erinnerungen an Systeme, die weniger mit einem Arbeitsplatz, als mit familiären oder geschichtlichen Vorerfahrungen zu tun haben. Das Empfinden zum Thema Harmonie hängt stark mit diesen eigenen Vorerfahrungen und dem Kontext, in dem sie erlebt wurden, zusammen.

In der Kunst wird Harmonie als eine Art Grundwahrheit verstanden, die sich auf einer Metaebene entwickelt. In der Musik hat Harmonie mit Ordnung zu tun. Harmonie in einer Gruppe von Menschen bezeichnet die Übereinstimmung von Gedanken und Gefühlen. Wenn nun also Harmonie als Wahrheit, Ordnung und Übereinstimmung verstanden wird, wie kann sie dann schlecht sein?

Harmonie ist der Feind

Es gibt definitiv Situationen, in denen Harmonie die Entwicklung hemmt oder sogar unmöglich macht. Nicht, weil Wahrheit, Ordnung und Übereinstimmung per se schlecht sind, sondern weil sie in speziellen Fällen für Unbeweglichkeit sorgen.

Wenn etwa Teams über Jahre harmonisch zusammenarbeiten, hat meistens jedes Element seinen festen Platz, seine Ordnung und seine Aufgabe. In Aufgabenbereichen und Branchen, wo starre Strukturen herrschen, ist das durchaus ein Vorteil, weil man keine Veränderungen anstrebt. Aber philosophisch betrachtet ist das Leben nun mal Veränderung und damit ist jede Form von „Unbeweglichkeit“ auf Dauer ungesund. Die Wahrheit wird dann zum Dogma, Ordnung zur Zucht und Übereinstimmung zur Doktrin. Und wenn es soweit kommt, dann ist Harmonie etwas geworden, das mit Harmonie nichts mehr zu tun hat.

Harmonie ist die Basis

Wenn Harmonie in Teams jedoch als eine Grundstimmung verstanden wird, auf die man sich einigt, dann entsteht eine Basis, auf der man aufbauen kann. Dann hat Harmonie etwas mit Vertrauen zu tun, mit Orientierung und Sicherheit. Und genau diese Bausteine gilt es zu schützen, weil sie Teams dabei helfen kreativ zu sein, lösungsorientiert zu arbeiten, eine Fehlerkultur zu entwickeln und Spaß zu haben. Führungskräfte sind demnach aufgefordert, der Harmonie besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Dirigieren statt ignorieren

Seien Sie der Dirigent oder die Dirigentin Ihres Orchesters und nützen Sie diese Metapher, um für mehr Harmonie zu sorgen. Trauen Sie sich die schrägen Töne herauszuhören und achten Sie auf Tempo, Rhythmus und Zusammenspiel. Im Folgenden finden Sie einige Anregungen.

 

Die 5 schrägsten Töne in der Teamentwicklung

1. Dur ist nicht Moll

Das wohl häufigste Missverständnis in Teams tritt auf, wenn nicht klar ausgesprochen wird, was gespielt wird. Dur oder Moll? Mal ehrlich, das scheint doch eines der grundlegendsten Dinge zu sein. Sprechen Sie von Anfang an ihre Teamphilosophie klar aus, zum Beispiel: „Bei uns herrscht keine melancholische, düstere Stimmung. Wir haben Spaß, sind motiviert und fröhlich im Umgang miteinander.“

2. Tempo, Tempo

Das Thema Tempo kann einem schon mal den Nerv ziehen. Selbst wenn jemand alles richtig macht und jeder Ton passt: Wenn der Rest des Teams bereits fertig ist und der eine noch nicht einmal beim 1. Refrain angelangt ist, dann wird’s schwierig. Schauen Sie genau hin, aus einem Langläufer wird kein Abfahrer und umgekehrt. Aber aus einem ungeübten Abfahrer kann durchaus ein Routinier werden. Investieren Sie in die richtigen Personen.

3. Feel the beat

Es gibt tatsächlich Menschen, die kein Taktgefühl haben und Rhythmus nicht spüren. Ähnlich wie beim Tempo kann das aus dem Takt fallen, aber für viel Unmut bei den anderen sorgen. Daher ist es wichtig, dass es jemanden im Team gibt, der die Buschtrommel spielt und allen anderen Orientierung und Halt gibt. Das sind meist Personen, die sich selbst als Fels in der Brandung wahrnehmen, die mit Stress gut umgehen können und ein Gefühl für die Gruppe haben.

4. Freestyle, geht schon!

Alles klar! Die, die keine Noten lesen können und sich freestyle einfach mal dazu jammen. Es gibt sie natürlich, die Supertalente, die eigene Stimmen erfinden können und alles klingt dann voller, dynamischer und einfach großartig. Wenn Sie so jemanden im Team haben, dann Gratulation! Diejenigen aber, die nur blenden, sollten Sie schnellstmöglich mit den Grundtechniken und Anforderungen vertraut machen und auch darauf bestehen, dass gewisse Regeln für alle gleich gelten.

5. Trommelwirbel und Aus

Timing ist alles. Das Schlimmste ist: Einer fängt an, bevor es los geht oder keiner findet ein Ende und alles zieht sich in die Länge. Im Projektmanagement gibt es daher Kick-Offs und Deadlines. Achten Sie immer darauf, dass alle mit an Bord sind und wissen, wann es los geht. Und auch das Ende ist wichtig. Verschieben sie keine Deadlines, sie heißen nicht umsonst so – hinter der Linie ist es nämlich aus.

 

Mein Tipp:

Führungskräfte tun gut daran, sich Metaphern aus der Musik, dem Sport, der Natur oder aus Geschichten zu suchen, um Situationen klarer einordnen zu können. Die Metapher als Hilfsmittel nimmt vielen Problemen die Komplexität und ermöglicht auch schwierige Themen leicht und humorvoll anzugehen. Versuchen Sie es, Sie werden überrascht sein, wie schnell Sie Dinge verändern können, wenn Sie ein Team für Ihre Metapher begeistern können.

 

Lesen Sie mehr zu Metaphern in meinem Blogartikel „Es lebe der Sport“

#LEVELUP #performance #mindset #harmonie #teamentwicklung #dirigieren

Alexandra Wechtl

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31/05/2022

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